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Petite messe solennelle

Die letzte Komposition des italienischen Opernspezialisten Rossini erscheint wie ein Sinnbild für seine seelische Zerrissenheit zwischen Glaube, Zweifel und Humor. Auf die Verschmelzung mit Gott folgt in der „Petite messe solennelle“ immer wieder der Rückzug in die Einsamkeit oder ein vom Schalk getriebener Blick auf die „Letzten Dinge“.

Musique sacrée – oder sacrée musique? Die Frage nach dem Verhältnis von Heiligem und Verdammungs­würdigem hat Gioachino Rossini (1792-1868) einst selbst seiner „Petite messe solennelle“ vorangestellt. In einer Widmung an den lieben Gott entschuldigte sich der Komponist 1864 – also 34 Jahre nach seinem letzten Bühnenwerk – vorsorglich damit, dass er ja eigentlich für die Opera Buffa geboren sei: „Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“ Ein starker Satz, demütig und fordernd zugleich. Wie also trifft man jenen Ton, den Rossini als augenzwinkernde Abgrenzung vom Charakter der Missa solemnis einst als semi seria – halb ernst, halb heiter – beschrieben hat?

Gemeinsam mit dem Dirigenten Nicholas Jenkins sowie zwölf SängerInnen, drei PianistInnen und vier PerformerInnen verwandelt Nico Hümpel Rossinis Oratorium in Bilder und übersetzt es in ihre eigenwillige Sprache. Dabei skizziert das Ensemble die Höhenflüge und Abgründe der letzten Lebensphase Rossinis und entführt in die Welt eines „lebensbejahenden Zweiflers“; zwischen zarten Gefühlen, intellektueller Dekadenz, Ironie und den Nachwehen der Revolution. Das Allerheiligste trifft das Allermenschlichste – musique sacrée oder sacrée musique.

 

 

Eine Produktion von „pèlerinages“ Kunstfest Weimar und NICO AND THE NAVIGATORS. In Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Luxembourg, den Bregenzer Festspielen (Kunst aus der Zeit) den KunstFestSpielen Herrenhausen und dem Theater Erfurt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, die Schering Stiftung, die Augstein Stiftung und aus Mitteln des Landes Berlin. In Kooperation mit der Opéra-Comique Paris, der Opéra de Dijon und der Radialstiftung.

Die Neufassung im Dezember 2018 wird unterstützt durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa - Spartenoffene Förderung. In Kooperation mit dem RADIALSYSTEM.

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