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Salzburger Nachrichten

Wo Du nicht bist

Die Uraufführung von ‚Wo Du nicht bist’ der Berliner Kult-Theaterformation ‚Nico and the Navigators bescherte dem Bregenzer Festspielpublikum am Freitag einen wunderbaren Abend, der abseits von konventionellem Erzähltheater ein Feuerwerk an schauspielerischen Sternschnuppen in den Theaterhimmel zauberte.

Die acht Charaktere wandeln sprech- und bewegungstechnisch perfekt durch eine Bühne von Oliver Proske, die eine Art Denklandschaft ist. Da gibt es eine kleine Brücke, dazu ein Pavillon, in dem die Ausnahmemusiker von Franui Schubertlieder gegen den Strich bürsten. Auch zwei Hügel erheben sich aus dem Theaterboden, die wie zwei Brüste daliegen und über die die Schauspieler ihre episodenhaften Slapsticks dem Publikum entgegen werfen

Der Titel des Stücks ist einem der berühmtesten Lieder Schuberts, ‚der Wanderer’ entnommen. In freien Assoziationsschüben wird szenisch über das Glück nachgedacht. Dafür werden Glück-Auffassungen von Aristoteles (Glück ist Tugend) bis Albert Camus (Das Selbst muss sein Glück finden) zitiert. Die tatsächliche theatralische Situation setzt allerdings eine Glückssuche in Szene, die der unmittelbaren Gegenwart entnommen ist. Jeder jagt seinem persönlichen Glück nach, jeder bleibt in dieser Suche unendlich einsam. Die Zärtlichkeit ist immer doppelbödig. Trotz harter Arbeit wirkt das bis ins Detail bestechende Ensemble mühelos im darstellerischen Einsatz. Improvisation ist ein wesentlicher Baustein der Arbeitsweise.

 

W. Ölz, 07.08.2006

 

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