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Vivircultura

Eggs on Earth

Eis ist türkisfarben

Das ist etwas neues auf Granadas Bühnen. Etwas anderes als die üblichen Schauspiele und die so oft bis zum Überdruss wiederholte Mittelmäßigkeit. Auch wenn dieser Eiszapfen türkisfarbenes Spiel mit Eisbergen, summender Gletscherkälte zielloser Menschen ist. Perfekte Schauspieler im Dienste der Bedachtsamkeit und Widersinnigkeit. Blanke Hässlichkeit auf den Gesichtern im abstrakten Umfeld eines Büros oder einer Straße oder einem Ort, an dem es weder ein Tastenfeld eine Schreibmaschine noch Verständigung gibt. Alles ist kalkuliert kalt, mit bereinigenden Geraden gezeichnet, als handele es sich um einer Vierergruppe aus Stühlen oder sinnlosen Gegenständen. Allenfalls finden sich Kurven in den Ecken einer Kiste oder in einem verführerischen Blick. Es handelt sich um Theater, bei dem man sich aufgrund seiner überraschend aufeinander folgenden Szenen treiben lassen kann, um dann Trostlosigkeit als Gefährtin unserer Ungewissheit anzuerkennen. In ihm stecken angedeuteter Tanz und einem Hauch von altmodischer Mime. In seinem Inneren pulsieren Gedanken zu all den abgenutzten Dingen, die unsere Welt bevölkern. Das sind Bücher, die als Schutz dienen und Redewendungen, an denen unsere Sprache erstickt. Solches Theater befindet sich jenseits von Gut und Böse und in dieser Besonderheit liegt sein Wert...

Zu den theatralischen Figuren fügt sich eine scheinbar inhaltliche Leere, das Weglassen eines roten Fadens sowie alles zum Erstarren bringende kalte zwischenmenschliche Beziehungen. Doch sie werden durch Nicos Darsteller lebendig, um uns zu sagen, dass es eine andere Art von Theater gibt, ein aus dem Norden kommendes, das uns aus unserer faulen Siesta, an der wir hier im Süden leiden, wachrüttelt.

A. M. Granada, 20.01.2003

 

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