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Kronen Zeitung

Chaconne

Die Architektur der Bewegung

Fesselnder Auftakt des Osterfestivals in Hall mit „Chaconne“

Was für ein Auftakt des Osterfestivals der Galerie St. Barbara! Aki Takase am Klavier und die Tänzerin Yui Kawaguchi faszinieren als „Architektinnen“: Ihre Kreation ist eine fiktive Stadt, die in der Symbiose von Klang & Bewegung neue Räume erschließt und erfahrbar macht. Faszinierend!

Musik spielt beim Tanz immer eine wesentliche Rolle. Aber trotzdem liegt der Fokus meist doch beim Tanz. Die Musik ist untergeordnet. Nicht so bei Aki Takase und Yui Kawaguchi. Die beiden japanischen Ausnhamekünstlerinnen kreieren Klang in Bewegung. Es ist der Klang einer Stadt. Das Motto des Abends - „Chaconne - Die Stadt im Klavier“ - ist Programm. Aus dem Nichts erhebt sie sich, diese Stadt. Das Nichts sind die Klänge. Wie an einem Reißbrett entstehen sie. Das Reißbrett ist das Klavier. Die Architektin ist Aki Takase. Die Stadt ist nicht nur hörbar. Sie wird auch immer mehr sichtbar. Sie wird immer mehr spürbar. Die Interaktion zwischen Urbanität und Bewegung, Klang und Bewegung steht im Mittelpunkt.

Aki Takase gibt am Klavier die Richtung vor. Sie ist die Raumplanerin. Die Tänzerin Yui Kawaguchi wandelt durch ihren Stadtplan. Sie ist Besucherin. Sie geht auf Erkundungsreise. Sie gibt der Musik die Form. Sie gibt den Klängen eine Struktur. Die Stadt, die da aus dem Nichts entsteht, ist eine Stadt, die auf Bekanntem aufbaut. Aus dem Bekannten heraus entwickelt sich Neues, Unbekanntes. Vertrautes weist in die Zukunft. Die Stadt von Aki Takase und Yui Kawaguchi hat viele Gesichter. Sie ist laut, sie ist schnell. Sie ist leise, sie ist langsam. Nie ist sie langweilig. Immer ist sie temporeich - auch wenn sich Yui Kawaguchi ganz langsam fast meditativ bewegt. Das Licht wird zum dritten Akteur. Das Licht in allen Facetten. Licht und Schatten schaffen einen zusätzlichen Raum auf einer anderen Ebene. Die Ebene der Imagination. Aki Takase und Yui Kawaguhci sind fordernd und vielleicht gerade deshalb so faszinierend.

Moni Brüggeller, 25.03.2012

 

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