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Gmünder Tagespost

Cantatatanz

Tänzerisch und musikalisch genial

Es war ein musikalisch-tänzerisch besonderes Erlebnis, das Freitagabend die Besucher der Gmünder Johanniskirche erfahren durften. Nicht Chor und Schiff allein wurden zur Bühne, sämtliche Emporen ebenfalls. Die Tanzperformance „Cantatatanz“ von „Nico and the Navigators“ zur Musik von Johann Sebastian Bach war ein Hör- und Sehvergnügen erster Klasse. Die vollbesetzte Johanniskirche dankte es mit riesigem Beifall.

Das romanische Innere der Johanniskirche war die ideale Kulisse, um barocke Bachmusik mit zeitgenössischer Tanz- und Sangeskunst zu verbinden. Die wunderbare Akustik ließ die beeindruckende Stimme des Countertenors Terry Wey zum unvergesslichen Sangesvortrag werden. Sein volltöniges Falsett schwankt nicht über die ganze Konzertdauer und ist bewundernswert. Verbunden mit der ausdrucksvollen Tanzkunst einer Yui Kawaguchi wurde ein übergreifendes Gesamtkunstwerk erster Klasse geboten.

Stimmgewalt und Stimmpräzision paarten sich mit eindrucksvoller Körperbeherrschung, die musikalischen Vorgaben ideal in getanzte Bewegung umsetzte. Kawaguchi versteht es ausgezeichnet , Musik als Bewegungsspiel aufzufassen und tänzerisch zu interpretieren. Ihr Tanz ist nicht nur Ausdruck eines musikalischen Empfindens, ihr Körper selbst ist gespieltes Instrument.

Drei Musiker begleiten Countertenor und Tänzerin. Mayumi Hirasaki meisterlich auf der Violine, kongenial Jakob David Rattinger auf der Viola da Gamba. Eugène Michelangeli sorgt auf der Orgel und Cembalo für sakral angehauchtes Messegefühl in Tönen. Hirasaki spielt nicht einfach Geige, ihr unglaublich variantenreiches Spiel auf einem unglaublich vielseitigen Instrument eröffnet neue Hördimensionen und bannt ihre Zuhörer auf die Plätze. Für Rattinger gilt, dass er das, Viola da Gamba nicht nur technisch tadellos beherrscht, sondern auch intensiv gefühltes Musikerleben zu vermitteln weiß. Den Klang alter Instrumente zum Leben zu erwecken, beherrscht Michelangeli bravourös. Sein Cembalospiel versetzt er in die Epoche und Gefühlswelt des barocken Komponisten Bach, ebenso sein virtuoses Orgelspiel. Ebenfalls beeindruckend, wie das Ensemble den sakralen Raum der Johanniskirche erfasst, für seine Zwecke umgestaltet - und seine Möglichkeiten inszenatorisch optimal einsetzt.

Oliver Proske zeichnete für die Raumkonzeption und sparsam aber effektiv eingesetzte Requisiten. Die Gesamtleistung lag bei Nicola Hümpel.

Harald Pröhl, 5.08.2014

 

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