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Lilli in putgarden

Ein altes rotes Jacket und ein stummer Diener führen einen Stierkampf auf, Föhn und Handtasche sind in Schmuggel und dunkle Geschäfte verwickelt wie in einem Agentenfilm, eine orangene Gummischürze verwandelt sich abwechselnd in einen Schwangerschaftsbauch oder ein Gummikissen mit verblüffender Eigendynamik... Fast scheinen die Darsteller in ihren weiß, creme und beige getönten Kunstuniformen, verfremdeter Alltagskleidung, mit dem weißen Bühnenbild zu verschmelzen - sie wollen sich nicht in den Vordergrund drängen, weder farblich noch durch übertriebene Dramatik. Sie bleiben charmante Vortänzer und spleenige Opfer der Dinge und verschwinden auch gerne in den Klappen, Ritzen und Zelten, die sich im Bühnenbau auftun... Die Leichtigkeit des Spiels, die skurrilen Überraschungsmomente und die vertrackte Mischung aus freundlicher Naivität und Raffinesse, mit der hier ein Kunstuniversum behauptet wird, sorgen für ein sanftes Entgleiten und nicht unangenehme Zustände der Regression. Abgesehen davon kann man nach dem Theaterbesuch seine Küche nicht mehr ohne absonderliche Gedankengänge betreten.

Peter Laudenbach, 11.07.2001

 

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