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Berliner Zeitung

Lilli in putgarden

In einem an Perfektion grenzenden, gesetzmäßig rhythmisierten Ablauf werden Dinge präsentiert, nachdem sie ihrer eingeschriebenen Bedeutung enthoben und ihrem Zweck entfremdet wurden. Die Definitionsmacht des Menschen über die Dinge wird durch den naiven, vorurteilsfreien Blick entkräftet, und ohne den vorgegebenen Verwendungszweck werden diese Dinge zu Rätseln. Ein Zollstock, aus seinem Zusammenhang gerissen, wirft Fragen auf. Der Slapstick findet erst im Denken statt, das sich hernach im Handeln äussert. Die elegante Form eines Staubsaugers möchte in der Bedienung ihre Fortsetzung finden. Bis in die Bauchlage ausfallend erfüllt der Benutzer den Willen des Objektes und wird so selber zum Objekt. Die Kulturtasche als Haube verstanden, macht aus der Trägerin eine Ordensschwester. Und das aufgeblasene Gummikissen möchte mit aller Gewalt gequetscht und geknuddelt werden. Die Nummern werden kunstvoll verschränkt, Motive wieder aufgenommen und umbetont. Alles findet im von Oliver Proske durchdesignten äußerst funktionstüchtigen Bühnenraum statt, der in seiner Glätte und Farbe einen geeigneten Hintergrund für die weichfarbige Lichtführung von Peter Meier bietet. ... Der Zufall hat keinen Platz im Stück. Das spricht für die Professionalität der Navigatoren, für ihre selbstbewusst in die Welt gesetzte Theatersprache.

Ulrich Seidler, 16.07.2001

 

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