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Eggs on Earth

Überhöhte Pantomime

Der Führung des Teatro Central gebührt der Dank der Kunstfreunde, welche die jüngsten experimentellen Produktionen des fortschrittlichsten europäischen Theaters sehen wollen, denn es hat das Berliner Ensemble Nico and the Navigators auf seine Bühne gebracht. Dieses Stück übertrifft nämlich unter dem für mich unverständlichen Titel Eggs on Earth die Neugier der Neugierigsten, da es die innere Unruhe, den Kampf, die Enttäuschung, den Kummer und die Schutzlosigkeit des Arbeiters in der derzeitigen westlichen Welt thematisiert, vom höchsten Angestellten bis zum bescheidensten Büroangestellten. Und diese unmenschliche und unsoziale Leblosigkeit drückt es pantomimisch aus. Unsterbliche Klassiker der Musikgeschichte im Hintergrund unterstützen das ganze. Die Übung erfolgt aus einer totalen Bewegungslosigkeit der Schauspieler, um dann stummes Spiel und Gesten so subtilen wie ergiebigen und abgerundeten Ausdrucks zu verwirklichen. All das geschieht in einem langsamen Tempo, einem vehementen „pianissimo“, das den Zuschauer bedrückt und ihn mit der inneren Unruhe ansteckt, unter denen die fiktiven Personen leiden.

Visuelles Theater

Die vielversprechende Nicola Hümpel, von der wir noch weitere überzeugende Lebenseinblicke erwarten, sieht in diesem Stück eher Theatertanz als Tanztheater, da die Choreographie - authentische Choreographie -, durch die die Bewegung der Interpreten auf der Bühne in Gang gesetzt wird, Skizzen und „Ticks“ verschiedener Tendenzen des modernen Tanzes beinhaltet. Aber es nähert sich doch mehr dem Theater an, da es insbesondere auf Ausdruck durch Gesten achtet, wodurch in den Gesichtern der Schauspieler unbestreitbar Symbolik zu erkennen ist.

Stilles Orchester

Jeder Interpret ist in diesem stillen Orchester wie ein Instrument; ein außergewöhnlich gut auf den Wohlklang des gesamten Orchesters abgestimmtes Instrument. Es prunkt mit beispielhafter - weshalb auch nicht – deutscher Disziplin und mit künstlerischer Adaption, um mit unverschämte traumhafter und surrealer Ästhetik eine so betrübende wie anregende Aufführung zu schaffen, in der die Besetzung ausgezeichnete körperliche und schauspielerische Ausbildung zeigt.

 

Julio Martínez Velasco, 27.01.2003

 

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