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P R E S E N T

Musikalisch-szenische Miniaturen als Geschenk

Auch das Berliner Musiktheater-Ensemble Nico and the Navigators war durch die Pandemie von Produktionsverschiebungen betroffen. Da hat man sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Musikvideoclips zur Corona-Situation - "PRESENT: Wenn wir uns mitten im Leben meinen". Von Ute Büsing

UB: Mit sieben musikalisch-szenischen Miniaturen werden die Menschen hinter den Corona-Zahlen anrührend sichtbar gemacht, etwa ein Intensiv-Mediziner, eine Sportlerin, die Tochter eines zu früh Verstorbenen. Das Kuss Quartett und Sänger und Performerinnen von Nico and the Navigators widmen Ihnen auf Grundlage gewünschter Musikstücke von Bach bis Beyoncé einen fünf- bis siebenminütigen Musikvideoclip als Geschenk. Nicola Hümpel hat sich die besondere Shutdown-Aktivität für ihr Ensemble ausgedacht:

NH: Das Wort „Present“ haben wir ausgesucht, weil es so wunderbar zwei Begriffe eint – und das ist natürlich einmal die Gegenwart, das Hier und Jetzt und das Geschenk. Zum einen wollen wir natürlich jetzt im Moment auch künstlerische Dinge tun, die irgendwie sinnstiftend sind und zum anderen hat uns alle dieser wahnsinnige Zahlen- und Statistikwahn genervt. Wir müssen irgendwie was finden, was das Individuum gegen diese Masse setzt.

// Einspieler Ted //

UB: Jetzt beschenken zu finden war gar nicht so einfach, fragil nennt Nicola Hümpel diesen Prozess. Schließlich kamen über Mundpropaganda sechs unterschiedliche von Corona Betroffene zusammen. Sie haben für die szenische Umsetzung einen Fragebogen zu ihrer Situation beantwortet und sich eben ein Musikstück gewünscht. Das siebte Video ist allen gewidmet, die sich momentan nicht mit ihren Liebsten treffen können.

NH: Wir haben ja nicht versucht da ein großes Regie-Projekt draus zu machen. Sondern es ging darum: Jeder hatte eine Botschaft an die Gesellschaft und es war uns natürlich auch wichtig, dass diese Botschaften universal sind und nicht nur ganz persönlich für diese eine Person stehen.

UB: Ab morgen ist bis zum 08. Mai jeden Samstag eine neue Folge auf der Webseite des Berliner radialsystems zu sehen. Die liebevoll poetische Handschrift der Musiktheater-Regisseurin bleibt auch in den Videos erkennbar. Inhaltlich knüpfen sie am ehesten an „Force & Freedom“ an, das digitale Corona-Tagebuch von Nico and the Navigators im Beethoven-Jahr, das demnächst auch als Film auf ARTE zu sehen sein wird.

NH: Durch diese Aufnahmen, die wir dann im Dezember damals gemacht haben, haben wir auch wahnsinnig viel gelernt. Andererseits natürlich auch die Relevanz von Kunst in diesen Zeiten spürbar, sichtbar, erlebbar zu machen.

// Einspieler Annedore //

UB: Das ist rundum gelungen. Die sieben jeweils an einem Tag entstandenen ernsthaften Musikvideoclips berühren in ihrer verknappten Intensität, sie laden ein zum Nachdenken und zum Bedenken.


Ute Büsing, 26.03.2021

 

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