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Tagesspiegel

Petite Messe Solennelle

Messerscharf: Nico and the Navigators im Radialsystem

Poetisch, denkt man, wenn es um die Petite Messe Solennelle von Rossini geht, die „Nico and the Navigators“ im Radialsystem zeigen. Ein geistliches Werk, das Nicola Hümpel und Oliver Proske in einen Abend mit Musik, Tanz und kaum Handlung verwandelt haben, der beim Weimarer Kunstfest Premiere feierte. Zwei Flügel, die auf lautlos rollenden Podesten einfahren, ersetzen gemeinsam mit dem Harmonium das Orchester. Die 20 Mitwirkenden sind in Preußischblau, Rostrot oder Herbstdunkel gekleidet (Kostüme: Frauke Ritter); sie laufen, stehen, hampeln und berühren sich. Unter dem Dirigat von Nicholas Jenkins, der ebenso Takt gibt wie er sich schwärmerisch mitbewegt, singen die meisten von ihnen aber auch, und dies sehr schön (besonders der Bassist Nikolay Borchev und die Mezzosopranistin Ulrike Mayer).



Yui Kawaguchi dagegen tanzt, ein rotkapuziger Puck mit messerscharf in die Horizontale ausfahrenden Armen und Beinen. Und Adrian Gillott in schwarzer Büßersoutane unterhält sich mit Peter Fasching, natürlich über Gott und die Welt. Wenn dieser Gillott dann beim Agnus Dei in weißer Wäsche und vor hell ausgenebeltem Hintergrund wieder erscheint, dann mischen sich in dieser Inszenierung Jugend, großer Ernst und Leichtigkeit auf eine fast rührende Weise.


Ironisch kann jeder. Diesem Ensemble aber gelingt es, Heiterkeit aus Rossinis Petite Messe Solennelle klingen zu lassen, ohne deren Geistlichkeit zu verleugnen, das Bild eines Komponisten zu zeichnen, der in das neue Werk „all mein kleines musikalisches Wissen gelegt und mit wahrer Liebe zur Religion gearbeitet“ hatte, tatsächlich ein Stück Musik zu verlebendigen, dem bislang wohl höchstens das unauffällige Ende in ganz gewöhnlichen Chorkonzerten bevorstand.

Christiane Tewinkel, 17.11.2011

 

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