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Die Zukunft von gestern

Menschenbilder 2·0 - Musiktheater

Welche Visionen haben das Ensemble einst angetrieben? Was bewegt die Navigatoren heute? Und wie werden sie in 20 Jahren auf ihr gegenwärtiges Schaffen zurückblicken?

Seit seiner Gründung ist das Theater von Nico and the Navigators als lebendiger Ort des Austauschs permanent im Entstehen und am Entdecken. Auf der Suche nach Abgründen und Auftrieben des Menschseins reflektieren nun drei Generationen von Navigatoren anlässlich des Jubiläums Arbeiten der Vergangenheit. Dabei schöpfen sie aus einem Archiv von Menschenbildern, visionären Szenografien und fluiden Darstellungsformen – sowie aus ihren eigenen Lebensläufen.

Im Diskurs um Oral History und Performing the Archive nehmen sie mit „Die Zukunft von gestern“ also nicht nur soziale, politische und technische Utopien sowie einschneidende Ereignisse der Navigatoren-Geschichte und -Gegenwart in den Blick. In dieser Revision werden die Darsteller zudem auch hinter ihren Figuren deutlicher sichtbar und offenbaren dem Zuschauer unter anderem, mit welcher Methode das Ensemble existenzielle Themen künstlerisch verhandelt.

Lebensetappen und Zwischenziele zeigen polyphonisch, wie jeder Einzelne seinen Weg durch die Welt und in das Ensemble fand. Dabei erweist sich die Kompanie als Schmelztiegel von kulturellen Erfahrungen, die von historischen Erschütterungen und deren privaten Einschlägen überschattet sind. Von der persönlichen Erinnerung bis zum kollektiven Gedächtnis offenbart dieser Abend also eine schonungslos ehrliche wie empathisch verschworene Kompanie, die sich mit den Träumen und Ängsten von damals, den Konsequenzen für heute sowie den Perspektiven auf morgen beschäftigt. Dass sich dabei nicht nur die Sicht auf die früheren Arbeiten verändert, ergibt sich aus dem langen gemeinsamen Weg: Die Navigatoren sind älter und ernster geworden – und kommentieren diesen Reifeprozess mit ihrem ureigenen Humor.

Als Historiker in eigener Sache, als Geschichtsschreiber, - fälscher und Visionäre stellen sie sich den Fragen: Was muss endlich auf den Tisch kommen – oder endgültig unter den Tisch fallen? Welches Gepäck hilft durch schwere Zeiten? Wie viel Leben passt in eine Handtasche? Was bedeutet es, 20 Jahre lang eine stumme Rolle zu spielen? Wie macht man dem Erinnern eine Szene? Und an welchem Punkt der Gegenwart beginnt die Zukunft?

Im Oktober 1998 gastierten Nico and the Navigators mit ihrer Debüt-Inszenierung Ich war auch schon einmal in Amerika erstmals in den Sophiensælen in Berlin. Es folgten sieben prägende Jahre als „artists in residence“, in denen die Truppe ihre ersten Produktionen zum Triptychon Menschenbilder formte. Die Theaterproduzentin und Intendantin Amelie Deuflhard schrieb 2012 anlässlich des 15-jährigen Kompanie-Bestehens: „Nico and the Navigators und die Sophiensæle sind ein Dream-Team, verbunden durch die Vision, Wege ins Offene zu gehen, getreu dem Motto: ,Stimmen Sie für den Horizont!‘.“ Diesen Kurs verfolgen Nicola Hümpel, Oliver Proske und ihr Ensemble seither unbeirrt weiter und navigieren mit ihrer Rückkehr an die Sophiensæle aus der Vergangenheit in die Zukunft.


Eine Produktion von Nico and the Navigators in Koproduktion mit Kampnagel Hamburg und in Kooperation mit SOPHIENSÆLE. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, der Senatsverwaltung für Kultur und Europa - Spartenoffene Förderung und der Rusch-Stiftung. Medienpartner: taz.die tagezeitung

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