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Force and Freedom

Ein Beethoven-Projekt

„Alle meine Noten bringen mich nicht aus den Nöten, und ich schreibe Noten überhaupt nur aus Nöten.“ Ludwig van Beethoven

Was bedeutet es, sich Ludwig van Beethovens letzte Werke heute mit allen Sinnen anzueignen? Wie viel Mut braucht man, um sich einzulassen auf das Wechselbad der Gefühle, auf Schmerz und Verlust, Sehnsucht und Liebe, Wut und Hoffnung? Und wie haben sich diese Empfindungen im Jetzt und Hier verändert? Wie verhalten sie sich zu unseren aktuellen Erfahrungen? 

Mit den Werken Opus 59, Nr. 3 Finale, Dankgesang, Opus 135 sowie der Großen Fuge haben sich Nico and the Navigators gemeinsam mit dem Kuss Quartett zum 250. Geburtstag des Komponisten auf eine Spurensuche begeben – von den historischen Quellen bis in die eigene Gegenwart.

Dabei wurde die Arbeit, deren Titel „Force & Freedom“ das aus der Fuge entlehnte Motto  „tantôt libre, tantôt recherchée“ („teils frei, teils streng“) variiert, bereits kurz nach Beginn der Proben von einer radikalen Veränderung der Wirklichkeit überschattet: Durch die Corona-Pandemie musste nicht nur die Uraufführung bei den Schwetzinger Festspielen für 2020 abgesagt werden, auch die gemeinsame Arbeit der Ensembles war auf absehbare Zeit undenkbar. Plötzlich wurden die Worte Zwang und Freiheit, die ursprünglich vor allem die Koordinaten im Leben Beethovens umreißen sollten, zur unmittelbaren Erfahrung für alle Beteiligten. Wie sollten sich Tänzer, Sänger, Musiker und Performer künftig auf engem Raum begegnen? Wie würde sich das Publikum in eine solche Situation einfügen?

Dass sich für fast alle freien Künstler im Laufe der Krise zudem jene wirtschaftlichen Zwänge verschärfen würden, unter denen einst auch ein Komponist wie Ludwig van Beethoven zu leiden hatte, war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht absehbar. Zunächst und vor allem ging es um den kaum erträglichen Abstand, um die Isolation und Verhinderung einer auf Austausch angewiesenen Arbeit.
Aus dieser Not haben Nico and the Navigators gemeinsam mit dem Kuss Quartett eine Tugend gemacht, indem sie der drohenden Resignation mit kleinen Nachrichten aus der gemeinsamen Gegenwart in der Vereinzelung begegneten. So entstand – im digitalen Raum ein Krisen-Tagebuch, das sich am Ende zu einem Memory-Spiel als bleibende Erinnerung zusammenfügte. Dass diese virtuellen Begegnungen keinen vollwertigen Ersatz für den direkten künstlerischen Austausch bieten konnten, war allen Beteiligten natürlich schmerzlich bewusst. Aber ein Beispiel für Einsicht in die Notwendigkeit lieferte ausgerechnet Beethovens Streichquartett Opus 135. Im vierten Satz finden sich unter dem Titel „Der schwer gefasste Entschluss“ dort zwei Motti, die einzelne Teile als Spiel zwischen Auflehnung und Ergebung kennzeichnen: Grave, ma non troppo tratto („Muss es sein?“) und Allegro („Es muss sein!“).

Wenn „Force & Freedom“ nun also wirkliche Gestalt gewinnt, soll diese Mischung aus Trotz und Einsicht mitgedacht werden – nicht nur mit Blick auf Beethoven, sondern auch als Spannungsfeld, in dem sich unsere eigene, gegenwärtige Gesellschaft immer neu zu orientieren hat.

 

Eine Produktion der Schwetzinger SWR Festspiele und Nico and the Navigators gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Im Rahmen von „BTHVN 2020 - bundesweit“, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Koproduziert vom Konzerthaus Dortmund. In Kooperation mit dem radialsystem.

 

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