Hat diese Inszenierung gezeigt, wie man ein ganzes Zeichen-Archiv bändigt und dabei unbeschwert und schmunzelnd der Kultursprung aus Handkes Neunziger in die Gegenwart schafft, so konnte die Premiere desselben Stücks einige Tage vorher auf Kampnagel das Gegenteil beweisen. „Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten“, wie die Berliner Company Nico and the Navigators ihre Umstülpung Handkes ins Meinungsvolle benannte, war ein Waterloo der Beliebigkeit mit den Waffen des Klischees. Gesteltzte Pseudobeobachtungen von Charlottenburger Mid-Agern, die alle unheimlich was darstellen wollen, dazu schlecht gespielte Parabeln auf eine gefühlskalte Welt, in der es nur um Geld und Gadgets geht, unterbrochen von Therapiespielchen, Handygequatsche und peinlichem Anbaggern ( und das alles mit beschämend platten Texten), das sollte wohl genau die harte Gesellschaftsanalyse einer seelenlosen Zeit werden, für die Handkes stummes Stück nun wirklich keine Vorlage bietet. Da doch lieber ein Hoch auf die gekonnte Verschwendung, die nicht belehren will.

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