Ach, wie flüchtig

Nico and the Navigators zeigen in den Sophiensælen ein Stück über das Glück Die Gruppe Nico and the Navigators um die Regisseurin Nicola Hümpel hat sich als Marke auf dem Markt des Freien Theaters durchgesetzt. Marken leben von Wiedererkennbarkeit. Das Theater der Navigators erkennt man zum Beispiel daran: Einer tritt nach links und sinniert über Wolken und das Blaue am Himmel. Entrückter Blick, tonlose Stimme. Oder so was: Mit einem Golfschläger schubst wer einen Apfel über die Bühne. Ohne Worte, aber mit überdeutlichem Gesichtsausdruck. Das hier passt auch gut: "Ich bin Andreas. Dazu habe ich nichts beigetragen.", sagt Andreas Schwankl. "Ich bin Lukas, und sonntags glaube ich daran.", verkündet Gerd Lukas Storzer. Markentechnisch noch einprägsamer die Szene, in der ein Blecheimer dazu dient, den Kopf hineinzustecken und den Mitspieler nass zu machen. Am allertypischsten aber ist die ausstaffierte Drolligkeit, die wie ein Zuckerguss über allem liegt. Und die lose Verbandelung der einzelnen Szenen. Auf alles kann hier immer alles folgen. Oder nichts. Die Navigators sind die Meister im Weichzeichnen. Es ist kein Zufall, dass sie (inklusive der erleichterten Regisseurin beim Schlussapplaus) in pastellfarbenen Kostümen über die aufwändige Funktionsbühne von Oliver Proske schweben. Die knapp zwei Stunden Wohlfühlberieselung unter dem vielsagenden Titel "wo du nicht bist" handeln übrigens vom Glück. Sie könnten genauso gut von der Schweinezucht, der EU-Erweiterung oder dem Sexualverhalten großstädtischer Singles handeln. Inhalt und Form werden nicht durch dramaturgische Triftigkeit zusammengehalten, sondern von betont vagen und wabernden szenischen Anordnungen. Wieso eigentlich? Schließlich mag zwar das Glück flüchtig sein, das Erzählen darüber ist es aber gerade nicht - wenn es mehr sein will als Assoziationsbrei. Will es hier offenbar nicht. Leider. Der Abend geht runter wie ein Bonbon: Schmeckt süß, und am Ende bleibt nichts davon übrig. Das war bei Nicola Hümpels Stückentwicklungen nicht immer so. Aber sie hat über die Jahre und den Erfolg nicht nur ihre besten Darsteller verloren, sondern offenbar auch den Biss, die Widerspenstigkeit. Geblieben ist eine Harmonieästhetik, die sich wunderbar über alle möglichen Festivalbühnen scheuchen lässt. Passenderweise wird auch gleich deutsch, englisch, französisch gesprochen. Außen Marke, innen hohl. Doch dann hat dieser Abend noch Franui. Franui ist ein österreichisches Instrumentalensemble, das hier in einer Art riesigen Musikdose sitzt. Und was machen die für wunderbare Musik! Zum Niederknien schön. (Im Foyer kann man die preisgekrönte CD "Ende vom Lied" kaufen. Nur zu!) Es sind Kompositionen von Andreas Schett und Markus Kraler, die Motive von Franz Schubert variieren. Dergleichen haben die Sophiensæle noch nicht gehört. Irgendwann erwischt man sich dabei, dass man nur noch den Musikern zuschaut und den Klängen nachhorcht. Was für ein Glück.

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