Einfachheit, Melodien und Experimente

Lange gab es bei der Biennale eine Art Jugendgebot, in diesem Jahr durften jedoch gleich mehrere alte Meister ihre Opernneulinge zeigen. Detlev Glanert nahm sich Elias Canettis „Die Befristeten“ vor und wagte sich dabei auf Neuland. Glanert schrieb ein ausuferndes Melodram als Begleitmusik zum Schauspiel, gesungene Texte gibt es nicht. Seine Partitur entstand in enger Zusammenarbeit mit Regisseurin Nicola Hümpel und den Akteuren. Glanert entwickelte und veränderte sein Material während der Proben ständig, was man bei der Uraufführung hört, klingt allerdings doch recht gesetzt und altbekannt. Es ist eine Mischung aus Barmusik, Stummfilmambiente und Klagevokalisen, zu den Höhepunkten zählen einige wütende Klavierdissonanzen. Das Ensemble piano possibile unter Heinz Friedl setzte die Partitur hervorragend um. Canetti entwarf ein merkwürdiges Szenario, alle Menschen kennen ihr Sterbedatum und akzeptieren ihr Schicksal mehr oder weniger erfolgreich. Bis einer kommt und die Ordnung auf den Kopf stellt. Beim Lesen staubt es kräftig, doch Nicola Hümpel rüstet die Sache mit allerlei Verweisen auf die Entschlüsselung des Genoms sowie postmodernen Ennui auf, das Ergebnis ist ein atmosphärisch dichtes, streckenweise aber zu schnoddriges Episodenstück.

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