Schuberts Winterreise weist auf die Menschheit in einer schweren Zeit hin

Musiktheater. Was bringt die jüngste Flüchtlingskrise und die rechte Bevölkerung in Europa deutlicher zum Ausdruck als die Verachtung der Andersgläubigen, der Armen, der Schwachen, der Nonkonformisten? Dazu gibt es Material in "Winterreise", schreibt Andreas Engström. "Freundschaft, es fühlt sich an wie zu Hause." Die Worte sind Kurt Tucholsky und waren einer von mehreren Zitaten, die auf dem Bildschirm in dem Kinokonzert "SILENT SONGS Into the Wild" von und mit dem experimentellen Musiktheaterensemble Nico and the Navigators projiziert wurden, die ich auf Radial System V in Berlin vor kurzem sah. Das Zitat hat auf eine seltsame Weise die Essenz der Aufführung geprägt. Zum Teil als negativ, denn es ist etwas, das in Franz Schubert und der Dichter Wilhelm Müller Liederzyklus „Winterferien“, wie die Show ausgedrückt basiert in erster Linie, es ist also Entfremdung, Angst, Verzweiflung, Entzug. Aber die poetische Unterströmung kann als ein Spaziergang zu etwas anderem in dem Wissen interpretiert werden, dass Wärme und Sicherheit in etwas so Grundlegendem wie dem Menschen sind. Vielleicht ist es die Kraft des Ausdrucks dieser Menschlichkeit, die das große Interesse Schuberts überhaupt und insbesondere die Winterreise erklärt? Auf jeden Fall tauchen Schubert und "Winter Trip" in allen möglichen Formen und Formen auf der ganzen Welt auf. Kürzlich, in der schwedischen Übersetzung Tenor und Geschichte, studierte Ian Bostridge den Stimmzyklus und seine Epoche in Wien (Bonniers). Vor ein paar Jahren hat der österreichische Komponist Bernhard Lang eine atemberaubende Metavariante zum selben Werk "The Cold Trip" komponiert. Bereits ein Klassiker ist Elfriede Jelinek CLOSET DRAMA von 2011, die ich szenische Sophie Rois in Berlin durchgeführt sah und die auch in der schwedischen Übersetzung (Modernisme) vor kurzem angekommen. Schuberts Gegenwart war spürbar auch im Soloist Ensemble Kaleidoskops Idee des „Jahr ohne Sommer“ im Jahre 1816, als Folge eines Vulkanausbruchs in Indonesien blieb kalt und dunkel. Hier bildete Schuberts C-Zwergenquintett eine Art Rahmen. So wie das Quartett "Death and the Girl" in Nico und der Performance des Navigators. "SILENT SONGS in the wild" besteht aus einer Reihe von Musikstücken. Lieder und Instrumentalstücke werden in verschiedenen neuen Instrumenten und szenischen Lösungen gezeigt, bei denen Musiker und Tänzer körperlich, physisch, auf Worte und Klänge reagieren. In der ersten Ausgabe sehen wir, was Assoziationen zu einer bewegenden und stilistischen nomadischen Zigeunerkapelle gibt. Dann eine Frau in einer Decke - ein Obdachloser? - den verächtlichen Blick der Umgebung ausgesetzt, die durch die Live-Projektion auf dem großen Bildschirm des Fonds zusätzliche Penetration werden. In „Der Doppelgänger“ sehen wir zwei Zahlen, wo die Dreharbeiten von der Seite der Bühne teilweise gegen einen abstrakten in der Ferne, und vom Monitor direkt und sehr real uns gerichtet, um die stille Gestalt des verächtlichen und anklagenden Blick macht. Heinrich-Heine-Doppelgänger, der das Thema sagt man bedenkt, sich in die andere verwandelt, unsere Mitmenschen, das Opfer, ausgestoßener, verachtet - und unsere Gleichgültigkeit lohnt verachtete. Was fasst die jüngste Flüchtlingskrise und die rechte Bevölkerung in Europa deutlicher zusammen als nur die Verachtung der Andersgläubigen, der Armen, der Schwachen oder der Nonkonformisten? Dafür gibt es in "Winter Trip" noch Material, das Nico und die Navigators in akrobatischer Bewegungsenergie und hochbelichteten Mimiken so stark, aber nicht übermäßig betonen. Aber die Arbeit enthält auch eine andere Seite, die auf die Utopie verweist: Freundschaft, Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Sicherheit und Bestätigung der Zerbrechlichkeit, Wärme und Hoffnung. Nach einem Lied, das am ehesten als heiße, choreographierte Gruppenumarmung beschrieben wird, klingt der Ton von "Der Lindenbaum". Ein weiteres Zitat von Nietzsche erscheint auf dem Bildschirm: "Ein Mann, wie sie sein soll: es ist uns so unangenehm wie ein Baum, wie es sein soll."

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