Der Vertrag mit dem Teufel

… Begeisternder, packender schließlich das „staged concert“ des Berliner Theaterkollektivs Nico and the Navigators im Radialsystem mit dem Titel „Empathy for the Devil“. „Es tut mir leid“, brüllt Schauspieler Martin Clausen mit schmerzverzerrter Miene und hält dem Publikum anklagend ein Blatt Papier entgegen: „Kontrakt“, steht darauf in großen Lettern. Wer Goethes „Faust“ kennt, weiß: Das ist der Pakt mit dem Teufel! Der Auftakt für einen mitreißenden Abend ist gegeben: Nico and the Navigators geben dem Höllenfürsten menschliche Gestalt und lassen ihn mal als Lebemann in Highheels und Glitzerstola, mal als melancholischen Anzugträger oder als sexy Vamp in rotem Satin auftreten. Das Ensemble singt und tanzt wie im Rausch und denkt zwischendurch laut über das Wesen von Gut und Böse nach. Als seien sie vom Leibhaftigen besessen, überbieten sich Sänger, Tänzer und Schauspieler mit dämonischen Grimassen. Keine Augenbewegung und keine Schweißperle bleiben unbemerkt, denn die Gesichter der Darstellenden werden auf einer Leinwand überlebensgroß verdoppelt. Das Böse verführt, indem es voyeuristisches Vergnügen bereitet. 


Das musikalische Repertoire für diesen diabolischen Reigen reicht von Monteverdi über Tschaikowsky bis zu Jeff Buckley. Dabei schaffen eigenwillige Arrangements einen mühelosen Übergang zwischen den Genres: Schumann wird mit E-Gitarre begleitet, Händel subtil verjazzt und der Stones-Klassiker „Sympathy for the Devil“ leitet wie selbstverständlich zu Henry Purcell über. Auch die Sänger überzeugen mit stilsicherer Vielseitigkeit: Vor allem die hypnotische Stimme von Tenor Ted Schmitz ist in Benjamin Brittens Klanguniversen genauso zu Hause wie in Rocksongs von David Bowie. Währenddessen besingt Mezzosopranistin Anna-Doris Capitelli mit dem Klagelied „Lasciatemi morire“ einen Teufel, der seiner Rolle überdrüssig geworden und müde ist. Man könnte Mitleid haben mit dem armen Kerl: Immerhin muss er seit Jahrtausenden als Projektionsfläche für unsere verbotenen Wünsche herhalten. Nico and the Navigators führen den Zuschauer durch seelische Abgründe und machen klar: Der Teufel, das sind wir alle. Das Premierenpublikum findet Gefallen an dieser Parade des Bösen und applaudiert begeistert.

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