Ein Volksbürger

Eine politische Tragödie im Haus der Bundespressekonferenz

Mit „Ein Volksbürger“ wird die Inszenierung geschärft und aktualisiert, die auf dem Essay „Ein Volkskanzler“ von Max Steinbeis basiert.

Nachdem NICO AND THE NAVIGATORS im Haus der Bundespressekonferenz ursprünglich einen politischen Angriff auf die Souveränität des Bundesverfassungsgerichts und damit die schleichende Vereinnahmung der Justiz durch einen populistischen Kanzler demonstrieren wollten, ist inzwischen ein Prozess in Gang gesetzt worden, der in absehbarer Zeit zu gesetzlichen Schutzmaßnahmen gegen diese Gefahr führen soll. Die Verschiebung der Konfliktlinie aber zeigt nun eine weitere, nicht minder brisante Möglichkeit auf: Eine demokratisch gewählte Landesregierung, in der autoritär-populistische Kräfte die Deutungshoheit haben, könnte alle Übereinkünfte auf Bundesebene aufkündigen. Als Argument für diese Maßnahme könnte sie die vermeintliche Schwäche der Gemeinschaft und die Benachteiligung ihres Landes und seiner Bürger*innen nutzen. Dass diese Strategie auch zu Auswirkungen innerhalb der Europäischen Union führen würde, liegt auf der Hand.

Bundeszwang als letzte Gegenwehr

Am Ende hilft nur noch der „Bundeszwang“: Artikel 37 Grundgesetz erlaubt drastische Maßnahmen gegen ein Land, das sich weigert, seine föderalen Pflichten zu erfüllen, von der Sperrung von Finanzzuweisung bis zur Entsendung eines Bundeskommissars. Angewandt wurde dieser Artikel noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik … aber wer weiß? Was, wenn ein neu gewählter Ministerpräsident mit allen Mitteln den Konflikt sucht mit der Bundesregierung? Was wenn er daraus politisch Nutzen zieht, sich zum Helden gegen die vermeintlich korrupten und unfähigen Parteien und ihren Apparat zu stilisieren? Ob das folgende Drama von einem zynischen Demagogen oder von einem aufrechten Patrioten erzählt – oder ob diese Rollen gar nicht zu trennen sind – wird sich in der Entwicklung des Konfliktes zeigen. In jedem Fall wird der Kanzler durch diesen Angriff in die Defensive gedrängt, weil er die Verfassung gegen drohenden Zerfall verteidigen muss … eine echte Tragödie, in der unvereinbare Positionen aufeinandertreffen und am Ende möglicherweise das Recht des Stärkeren den Ausschlag gibt.

Echte Tragödie

Die dramaturgische Verabredung für dieses Szenario bleibt sich gleich, eine Folge von Pressekonferenzen zeigt den Kampf auf medialer Ebene. Als direkte Kontrahenten stehen sich der Ministerpräsident und der Bundeskanzler gegenüber, auf beiden Seiten gibt es wechselnde Unterstützung aus den Bereichen der Politik und der Justiz … und mehr oder minder kritische Journalist*innen. Das Drama, das von Max Steinbeis und seinem Team federführend entwickelt wird, soll als politisches Lehrstück in Zusammenarbeit mit der Bundespressekonferenz e. V. und der Volksbühne Berlin in Szene gesetzt werden. Eine mediale Auswertung ist durch ZDF/arte geplant, Vermittlungsformate für ein junges Publikum begleiten die Inszenierung. Um die Arbeit möglichst realistisch zu gestalten und aktuelle Entwicklungen einbeziehen zu können, wird das Szenario bis Mai 2024 offen gehalten. Die Premiere findet im September 2024 statt.

Text und Inszenierung

Die geschliffene Rhetorik, die juristischen Finessen mit populären Parolen maskiert, steuert der Verfassungsblog-Gründer Max Steinbeis bei. Regisseurin Nicola Hümpel wird neben den bewährten Protagonist*innen ihrer Inszenierungen namhafte Darsteller*innen für die tragenden Rollen verpflichten und auf dem Höhepunkt der Fiktion für eine überraschende, tragische Wendung sorgen, die den selbst gesetzten Rahmen sprengt. Bis zu diesem entlarvenden und erlösenden Moment wird „Ein Volksbürger“ vor allem von der intellektuellen Genauigkeit und dem emotionalen Sog der Geschichte leben – als scheinbar abstrakte Korrektur der herrschenden Verhältnisse, die doch ganz konkrete Auswirkungen auf das Leben aller Staatsbürger*innen hat. Dass dabei neben dem politischen Establishment auch die journalistische Elite in den Fokus gerät, versteht sich angesichts des Aufführungsortes von selbst.

Die Vorstellungen werden mit einer Einleitung sowie einer Podiumsdiskussion im Anschluss von Vertreter*innen des Vorstandes der BPK umrahmt.

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Termine

Eine Produktion von Nico and the Navigators, gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds. In Kooperation mit den Münchner Kammerspielen, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und dem Bundespressekonferenz e.V.


Mit einer Live-Übertragung in die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und die Münchner Kammerspiele.

Die Übertragung findet in Kooperation mit ZDF/ARTE statt, produziert von EuroArts.

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