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Süddeutsche Zeitung

Eggs on Earth

Genialer Eiertanz

„Sind Sie brillant?", fragt der geschniegelte Abteilungsleiter frontal ins Publikum - eine Frage, die man, bezogen auf die Berliner Theatertruppe Nico and the Navigators, uneingeschränkt mit Ja beantworten kann. Sie sind jung, verspielt und teuflisch talentiert, die letzte Entdeckung des vergangenen Jahrhunderts. 1999 galt die Gruppe um die Bauhaus-Absolventin Nicola Hümpel und den Designer Oliver Proske noch als Geheimtipp, inzwischen haben sie sich mit einer Mischung aus unbeirrbarer Naivität und hochprofessionellem Dilettantismus in die Charts der Theateravantgarde gespielt, irgendwo zwischen Buster Keaton, Wilson und Marthaler, und doch von Anfang an mit unverwechselbarem musikalischen Eigensinn.

„Eggs on Earth", zu Gast in der leider nur zur Hälfte gefüllten Muffathalle, ist der mittlere Teil aus dem Zyklus „Menschenbilder", und diesmal betreiben die sieben smarten Selbstdarsteller ihre subversiven Forschungen an lebenden und toten Objekten im Themenkontext Firma und Karriere. Ein himmelblauer Zaubercontainer eröffnet fragmentarische Einblicke in seelische Abgründe und bürokratische Hierarchien. Vergeblich wird ein ominöser Mr. Fock am Telefon verlangt, Sekretärinnen träumen vom Aufstieg in die obere Etage. Schüchterne Bewerber mit schräg zu Berge stehenden Frisuren rezitieren Lebensläufe von geradezu erschütternder Banalität. Die Büroexistenz wird zur schwindelnden Gratwanderung, zeitlupenhaft verlangsamt, wie eine surreale Traumsequenz. Arbeiten kann so schön sein - man könnte ihnen stundenlang dabei zuschauen!

Silvia Stammen, 17.09.2002

 

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